Donnerstag, April 20, 2006

Über die Arbeit

Es scheint mir mal wieder an der Zeit zu sein, den Stammtischphilosophen auszupacken, und ob ihr wollt oder nicht, ihr werdet euch wohl oder übel meine Tiraden anhören müssen. Ha!

In Anbetracht der Tatsache, dass ich mich Ende dieses Jahres vom Dasein eines Auszubildenden in das Dasein eines Ausgebildeten verabschiede, mache ich mir in letzter Zeit, ob jetzt nötig oder nicht, mehr als nur ein paar Gedanken zu meinem Job und zum Berufsleben im Allgemeinen.
Meine Lieblingsfrage dabei:

Was ist mir wichtig, damit ich einen Job auf lange Zeit behalten und eventuell sogar damit alt werden möchte? Hier ist der Versuch einer Liste (nicht nach Priorität geordnet):

1. Spaß

Macht mir meine Arbeit Spaß? Ich meine: wirklich Spaß? Stehe ich morgens auf und springe mit einem Lächeln auf dem Gesicht in meine Kleider, weil ich mich so darauf freue, meinen Job zu erledigen? Macht es mir was auf, für die Arbeit, die ich tue, Überstunden zu schieben? Schaffe ich es vielleicht sogar, eins meiner Hobbys zum Beruf zu machen?
Und vor allem: Hält dieser Spaß lange genug an?

2. Geld

Natürlich, wofür arbeitet man schließlich? Jeder ist bereit, ein bestimmtes Pensum an Scheiße pro Monat hinzunehmen, wenn dafür in gleichen Intervallen ein entsprechend üppiger Gehaltsscheck ins Haus geflattert kommt. Nicht Zeit, Geld heilt alle Wunden.
Und wenn ich in meiner Arbeit keine Erfüllung finde, kann ich sie mir vielleicht wenigstens kaufen? Neue Dinge kaufen kann glücklich machen, und vielleicht hält man sich ja so über Wasser.

3. Betriebsklima

Wie komme ich mit den Kollegen, und nicht zuletzt auch meinen Vorgesetzten zurande? Freunde ich mich vielleicht sogar mit ihnen an? Und noch viel wichtiger: Möchte ich das überhaupt? Eine freundschaftliche Beziehung zu Vorgesetzten resultiert zum Beispiel meist in Respektlosigkeit. Wie kann ich mich im Ernstfall von jemandem anschreien lassen, mit dem ich letztes Wochenende Bier trinken war?
Und auch bei den meisten Kollegen kann ich, ehrlich gesagt, auf eine Bekanntschaft verzichten, die nicht um 17.00 Uhr endet (nein Aly, du bist nicht gemeint). Natürlich tut es gut, von den Kollegen ein paar freundschaftliche Dinge gesagt zu bekommen, aber damit reicht es meiner Meinung nach dann auch. Ich möchte nicht, dass ich irgendwann meine Arbeit mit meinem Leben gleichsetzen muss.
Auf der anderen Seite ist es natürlich auch wieder gut, auch mal mit Problemen, die aus der Arbeit resultieren können, zu jemandem in der Firma gehen zu können.

4. Freizeit

Auch ein interessanter Faktor: Wieviel Zeit bleibt mir neben dem Job? "Gute" Jobs sind nicht selten sehr zeitaufwändig, und je höher die Erwartungen an Gehalt oder Verantwortung geschraubt werden, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass man sich um 19.00 Uhr auf der Arbeit entschließt, die Kaffeemaschine doch noch ein weiteres Mal anzuschalten.
Ausserdem: Beschäftigt mich mein Beruf so sehr, dass ich sogar zu Hause nicht mehr vernünftig abschalten kann, weil sich meine Gedanken immer noch um die Probleme drehen, die sich auf der Arbeit angehäuft haben?
Wenn ich statt dessen schon nachmittags gehen und meinen Kopf einfach von Arbeit auf Freizeit umprogrammieren kann, finde ich vielleicht in meinen Hobbys die Erfüllung, die mir im Job abhanden geht.

5. Verantwortung

Ich glaube, dieser Punkt beschäftigt mich am meisten. Es ist ein gutes Gefühl, wenn sich deine Kollegen auf dich verlassen, weil sie wissen, dass du den Job selbstständig hinbekommst, und dass, ohne ihnen wieder auf die Nerven zu fallen.
Nur: warum?
Was ist denn, nüchtern betrachtet, erstrebenswert daran, mehr Arbeit selbstständig erledigen zu müssen?
Es gab mal eine Zeit, in der meine Vorgesetzte und ich alleine eine komplette Ausgabe unserer Zeitschrift schmeißen mussten, und wir haben es hinbekommen. Inzwischen sind wir zu viert, und dementsprechend verteilt sich natürlich nicht nur die Arbeit, sondern damit eng verbunden automatisch auch die Verwantwortung.
Das Interessante daran ist: Selbst in den Tagen, in dem ich sämtliche Verabredungen absagen musste, weil ich bis in die Puppen geackert habe, stellte sich ein leises Glücksgefühl ein.
Ein seltsames Glücksgefühl.
Aber trotzdem so präsent, dass ich mir in letzter Zeit überlege, meine Vorgesetzte in einer ruhigen Stunde mal beiseite zu nehmen und sie zu fragen, ob ich bei der nächsten Ausgabe einiger ihrer Aufgaben übernehmen, mehr Verantwortung zeigen darf.

Woran liegt das?
Ich vermute, es ist das Gefühl, gebraucht zu werden. Das Wissen, dass der Laden ohne dich nicht mehr läuft. Das Eigenartige ist nur: Niemand dankt es dir wirklich, zumindest hab ich die Erfahrung gemacht.
Wenn wir uns also gern selbst Verantwortung und Mehrarbeit aufbürden, um unverzichtbar und wichtig zu sein, welchen Zweck hat das denn, wenn es einem niemand gutschreibt?

Auf der anderen Seite: Wer könnte es ihnen ankreiden? Der Laden läuft doch, du bist eben vielleicht nur ein etwas größeres Zahnrad im Getriebe als andere.
Was für diejenigen, die dich anstellen, letztendlich zählt, ist doch das Ergebnis, egal, wie es jetzt zustande gekommen sein mag.
Bleibt für dich nur das Gefühl, etwas geleistet zu haben, welches du dann im stillen Kämmerlein ausleben darfst.

Und vielleicht gibt es ja doch den ein oder anderen Kollegen, der dir im Vorbeigehen auf die Schulter klopft.


Soweit die Liste.
Stellt sich für mich die Frage: Wie finde ich den Job, der für mich die meisten Punkte dieser Liste auf der Haben-Seite gutschreibt? Wenn ich meine bisherigen Kollisionen mit der Arbeitswelt betrachte, stelle ich fest, dass ich einen neuen Job behandle wie ein Kind ein neues Spielzeug.
Am Anfang ist alles neu und glänzt, ich gebe bei meinen Freunden damit an, ich beschäftige mich damit, gehe darin auf...und nach einiger Zeit will ich ihn wegwerfen, weil ich das Interesse verloren habe.

Als ich in meinem Job nach einiger Zeit des Magazin-Setzens anfing, Internetseiten zu programmieren, war ich glücklich. Es war etwas Neues, es glänzte, und ich wurde gebraucht, da ich der Einzige war, der ausreichend HTML beherrschte.
Inzwischen arbeite ich immer noch an Internetseiten, und es kommt mir schon fast wieder zu den Ohren raus. Der Glanz ist ab.
Nur: Wie finde ich einen Arbeitgeber, dem ich einmal im Jahr sagen kann: "Chef, meine momentane Arbeit langweilt mich, bitte teilen Sie mir eine neue, spannende, kreative Tätigkeit zu"?

Vielleicht ist es die Routine, die mich am meisten ankotzt. Bestimmt sogar.
Das selbe wieder und wieder durch zu kauen, bis sämtlicher Geschmack raus ist. Was dann bleibt, ist das Gefühl, alles schon erlebt zu haben, was dieser Job hergibt, die Angst, alles, was es zu entdecken gibt, schon für sich entdeckt zu haben.

Was mir dieses ganze Gerede jetzt bei der Entscheidung hilft, was ich Ende des Jahres mache?
Scheiße, wenn ich das wüsste.

Und damit werde ich, denke ich, mein Bier austrinken, meine Zeche bezahlen, und meinen Stammtisch verlassen. Zumindest bis zum nächsten Mal.

_brause

P.S. Wer sich das alles durchgelesen hat, darf sich nicht nur 5 Charisma- und 7 Freundschaftspunkte gutschreiben, sondern erhält auch noch 500 Gold und darf die Tochter des Königs freien.
Aber nur für eine Nacht.
Seid nicht so habgierig.

4 Comments:

Anonymous Lisa said...

Juchee, die Brause schreibt wieder!!!
Ich hab mir alles durchgelesen... Wenn ich schon nicht habgierig sein darf, so will ich doch wenigstens die Freundschaftspunkte haben dürfen...
Sehr interessantes Thema, über das du dir da den Kopf zerbrichst...
Ich sitze gerade (Es ist Sonntag Nachmittag) in der Agentur und kopiere Daten auf minderwertige USB-Sticks... Soviel dazu...

2:45 nachm.  
Anonymous Guido said...

Ach ja...zumindest kann man über sowas jetzt nachdenken da man die Wahl hat. Vor 200 Jahren wurde man Schmied wenn der Vater Schmied war. Und die Gedanken drehten sich ums überleben. Ach nochwas . Ist die Prinzessin hübsch ?

4:20 nachm.  
Anonymous dat Dingsi mal wieder said...

"Vor 200 Jahren wurde man Schmied wenn der Vater Schmied war."
Oder die Frau von irgendwem. Auch klasse.

7:00 nachm.  
Blogger Fieser Möpp said...

"Oder die Frau von irgendwem. Auch klasse." Das passiert manchen Menschen noch heute...
ich mag arbeit, denn durch sie merkt man erst, was in der Zeit, die man mit ihr verbringt, viel lieber machen würde ; )

5:46 nachm.  

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