Montag, Januar 16, 2006

Ska macht Spaß



Vor allem, wenn er laut ist und um einen herum viele schwitzende Gentlemen tanzen und feiern, weswegen Guido und ich uns nach langer, langer Zeit mal wieder aufmachten, um unsere Hintern ins Underground zu schleppen.

Eine gute Angelegenheit, wie sich herausstellen sollte.

Anlass für uns war die Tatsache, dass Guidos Klassenkamerad Sven (siehe Foto) mit seiner Band Not Expected einen Auftritt hatte, weswegen wir ihn selbstverständlich abfeiern gingen.

Wie sich das gehört.

Kaum im Konzertraum (welcher übrigens anscheinend umdekoriert wurde, es hängen jetzt so seltsame esoterische Teppiche von der Decke. Sehr fragwürdig…), stellte ich fest, dass das Publikum anders war. Erstens waren alle ziemlich jung, so um die oder unter achtzehn, und zum anderen sahen ein paar aus, als hätten sie sich in der Adresse geirrt.

Diesen seltsamen Umstand vermochte Sven zu klären, der fröhlich Bier in sich hereingluckernd herumstand, uns etwas von seinem Gerstensaft abgab, uns die Posaunistin seiner Band vorstellte und uns auch erläuterte, dass dies die Vorfinanzierungsfeier von irgendeiner Schule ist.

Ha! Mysterium gelöst!

Die erste Band, die spielte, trug einen Namen, den ich auch schon wieder vergessen hab. Sie spielten Punk, nicht mehr, nicht weniger. Drei-Akkord-Geklopfe mit ab und zu einer versteckten Melodie. Nun ja, nicht besonders effektiv, aber zum Mit-dem-Kopf-auf-und-ab-wippen und Lässig-auf-dem-Tisch-lehnen-und-Bier-trinken reichte es allemal. Der Bassist wäre höchstens noch erwähnenswert gewesen, da er sich wirklich ins Zeug gelegt hat.

Die zweite Band hieß Snow in Flames und ist mir von vielen schon als Herz gelegt worden. Was seltsam anmutet, denn mir wollten sie nicht so recht zusagen.

Guido fasste das ganze ziemlich gut zusammen mit den Worten: „Ich glaube, die Band heißt System of a Down.“ Und damit traf er es auch ganz gut…SoaD für arme.

Der Sänger spielte eine recht innovative Gitarre und zwischendurch war es auch abgehtauglich, aber alles in allem mochte ich sie nicht wirklich. Zumal der Leadgitarrist, der eigentlich tatsächlich gut singen konnte, zwischendurch immer zu schreien anfing.

Praktisch angehört hat sich das dann so:

„Tell me why do you always have to WÄÄÄÄ! WÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ! WÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ~!1111”

Wirklich verstanden hat’s wohl so keiner.

Besonders herauszuheben war höchstens noch, dass Snow in Flames es fertiggebracht haben den ersten Ein Mann Half Circle Pit der Welt loszutreten: Nach der Bitte, doch bitte beim nächsten Song richtig anständig abzugehen, hüpfte einer auch gleich los, verlor aber nach der Hälfte die Lust.
Ausserdem verbuchte diese Band auch noch die schlechteste Anmoderation des Tages mit dem Satz: "Das nächste Lied heißt Questmaster, das ist dann was für die WoW-Spieler unter euch, ha, ha."
Argh.

Mittlerweise gut mit Bier versorgt machten Guido und ich uns bereit für die formidabel ohrenschmeichelnde Musik von Not Expected.

Und es kam, was wir erwartet hatten: Feinster Hüpf-Schweiß-Ska, mit ab und zu einem Reggae-Lied zum abkühlen. Zwischendurch feines Geblase von der Posaunistin und dem Trompeter und eine sehr schöne Leadgitarre vom Sven mit sehr viel luftgitarristischen Soli.

Einen Song hatten sie sogar, indem jeder Instrumentalist einmal kurz zeigen durfte, was er kann, und das ist schließlich etwas, was mir immer wieder gut gefällt.

Ein Lied muss noch erwähnt werden: Es ging Los mit einem kleinen Bassriff, und prompt rief mir Guido irgendwas ins Ohr, was ich nicht verstand, da ich damit beschäftigt war, zu erraten, welches Lied das ist…irgendein TV-Theme.

„Mission Impossible!“ rief ich nach einiger Zeit auf und erntete ratlose Blicke von Guido. „Nee, nee, warte!“ ritt ich mit weiter rein. „Das ist Knight Rider!“

„Sagte ich doch gerade!“ schrie Guido mit aus dem Kopf tretenden Augen.

„Aso.“

Ausser gut Gitarre spielen kann Sven nämlich auch noch was: Stimmpausen überbrücken. Zum Beispiel mit dem Spongebob-Opening. Sehr, sehr schön. Muss ihn beizeiten mal nach dem Riff fragen.
Leider kann Sven auch noch etwas weiteres: Schlechte Witze reißen. O-Ton Guido: "Meine Güte, deren schlechte Witze sind ja fast so gut wie eure!"

Irgendwann in der Mitte des Konzerts fiel ein Punk mitten im Pogo um und wurde von den hilfbereiten Mitpunks auch gleich wieder auf die Beine gestellt. Zumindest versuchten sie das. Zwei schnappten sich seine Beine, ein dritter seinen rechten Arm; mit dem linken Arm versuchte der Ärmste, das Gleichgewicht zu halten, während sich beide Parteien anstrengten, ihn wieder in den Stand zu hieven.

Wirklich lustig wird die Sache aber nur, wenn man bedenkt, wie lange sie es wirklich nicht begriffen haben. Jemanden wieder hinzustellen scheint eine tatsächlich schwere Angelegenheit zu sein.

Nun ja, nachdem wir das Konzert an der Grenze des Bewusstseins (wären fast umgefallen vor Anstrengung) durchgestanden hatten, liefen wir zufrieden nach Hause und löschten unseren Durst mit köstlichen Beck’s.

Alles in allem ein sehr zufrieden stellender Abend mit einer Menge dollen Musik.

Und jetzt geht auf www.notexpected.com und zieht euch „School“, denn das ist ein toller Song.

Dienstag, Januar 10, 2006

Die Wurst ist tot

Fotos hier:
Schild im Mexikaner am Zülpicher Platz
Laaaaangweilig! (Kurz vor Anstimmung des Tetris-Themes)
Neeeeeeein! (Die Wurst ist tot!)
Trauergemeinde für die Wurst

Es macht Spaß, spontan zu sein.

Man trifft sich zu ein paar Leuten, man verbringt den Abend zusammen, und wenn man auf irgendetwas Lust hat, dann tut man es einfach.

So wollten wir es auch heute halten.

Um Punkt 21.30 kreuzten Guido und ich am Zülpicher Platz auf, um uns dort auch gleich mit Andy, Claudia und dem Monsieur Büth zu treffen. Im Kopf hatten wir eigentlich, eine beliebige Örtlichkeit in der Nähe aufzusuchen und uns dort am Alkoholausschank zu erfreuen.

Statt dessen schlugen Andy und Claudia aber vor, zum Rex zu tingeln, um uns dort den Film „Weltverbesserungsvorschläge“ anzusehen, laut Claudia ein höchst interessanter Episodenfilm, der sehr lustig anzusehen sei. Ein kurzer Blick auf die Uhr: Noch eine Viertelstunde Zeit. Genug also, um dem kleinen Mexikaner am Zülpicher Platz (empfehlenswert! Siehe auch Foto!) einen Besuch abzustatten und uns mit köstlichen Long Island Ice Tee To Go einzudecken. Beim Bezahlen blieb mir allerdings das Herz stehen: Ich fand mein Portemonnaie nicht.

Nachdem ich den Rest der Meute verrückt gemacht, mit dem Hyperventilieren begonnen und zu Hause angerufen hatte, fand sich der kleine Ausreißer dann doch wieder. Ich hatte es vor lauter Freude, endlich loszufahren, in die Innentasche meines Sakkos gesteckt statt in die des Parkas, wo es eigentlich zu hause ist.

Schlürfenderweise ging’s also auf zum Rex, wo der frisch aufgenommene Alkohol allerdings direkt wieder aus uns rausgenüchtert wurde: Ausverkauft.

Mit finsteren Minen und heimlichen Hass auf die Leute, die noch eine Karte bekommen hatten, stellten wir uns vor die Tür und betrachteten die Aushänge, um weitere sehenswerte Filme orten zu können. Aber Pustekuchen, sag ich euch! Nix mit guten Filmen!

Wir disputierten eine geraume Weile hin und her, einer wollte *den* Film nicht wahrhaben, der andere konnte sich mit *dem* Film nicht anfreunden. Ergo erfreuten wir uns wenigstens an Büth’s Land of the Dead – Imitation („Und dann, höhö, dann schießt der sich mit der Schrotflinte in den Fuß! Höhö, äh…(Beginn Imitation) Öööööööööööh…hö? Hmm….*bang* ÖÖÖööÖööÖöÖööÖööööÖÖÖöööhhhh…..(Ende Imitation)“) und setzten uns Richtung Rudolfplatz in Bewegung. Warum? Wussten wir auch nicht so recht.

Da wir alle recht gefüllte Bäuche und Andy keine Lust auf Saufen hatten, schieden Essen und Trinken aus und es blieb erst einmal beim Rudolfplatz. Da standen wir also, wie bestellt und nicht abgeholt und zermaterten uns die Hirne, was zu tun sei. War aber nicht viel zu tun. Also standen wir blöde rum und langweilten uns. Geschlagene 25 Minuten (siehe Foto!). Volle 90 Sekunden davon beschäftigten wir uns damit, einen Kanon aus dem Tetris-Intro zu machen (ihr wisst schon: Dümm-dededümm-dededümm-dedeDümm-dededümm-dadümm-de-dümm-dümm-dümm), was, ich brauch es kaum erwähnen, nicht wirklich bühnenreif funktionierte.

Also zurück den Ring runter Richtung Rex, um zu schauen, ob wir denn nicht doch vielleicht etwas zum Anschauen fänden, ohne an Langeweile zu verrecken. Allerdings konnten wir unsere farbenfrohen Meinungen nicht unter einen Hut bringen, und so standen wir dann dort und waren immer noch keinen Deut schlauer. Büth schlug Billiard vor, doch Andy trumpfte locker drüber mit dem Ausspruch: „Air Hockey!“

Genial!

Rüber zum Giga Center (ein aufmerksamer Leser stellt an dieser Stelle fest, dass das schon zum vierten Mal die Strecke Rudolfplatz->Friesenplatz bedeutet), runter in den Keller, wo die Air Hockey-Tische stehen. Leider besetzt. Also wieder hoch, in den Ab-18-Bereich, um House of the Dead IV zu spielen. Wem die House of the Dead-Serie nichts sagt, dem sei es hier erklärt. Als Controller werden jeweils zwei irgendwie geartete Schusswaffen benutzt, mit dem es gilt, völlig überwältigenden Massen von Zombies ein vorzeitiges Ende zu bereiten.

Im Falle des vierten Teiles sind es zwei Uzis mit der Zusatzfunktion, Handgranaten zu werfen. Nicht ganz so ambientig wie Schrotflinten (dritter Teil), aber Spaß hat es jedenfalls gemacht. Zumal man die Waffe zum Nachladen schütteln musste. Jawohl, um Uzis nachzuladen, muss man sie schütteln. Gutheit.

Danach wollten wir dann eigentlich doch noch mit Queues auf Kugeln eindreschen, aber Claudia hatte inzwischen, verständlicherweise, vom Blitzlicht und dem lauten Gedröhne Kopfschmerzen bekommen, und so zerstreuten wir uns dann doch.

Auf dem Rückweg über dem Rudolfplatz mussten wir zu unserem maßlosen Entsetzen feststellen, dass unser lang geliebter Freund, das Wurstschild am Rudolfplatz, ermordet wurde (siehe Foto). Spontan riefen wir eine Andachtsmesse ein (siehe ebenfalls Foto), um das Gedenken an unseren lang geliebten Freund, dem Wurstschild am Rudolfplatz, aufrechtzuerhalten.

Wir ernteten zwar den einen oder anderen leicht skeptischen Blick, doch wenn eine Freundschaft so lange und innig ist wie die zu dem lang geliebten Freund, dem Wurstschild am Rudolfplatz, dann nimmt man so etwas gerne in Kauf.

Tja, und so neigte sicher Abend auch dem Ende zu.

Ich hätte wirklich gerne noch irgendwas getan, aber Guild Wars-Zocken war eh schon mal abgesagt wegen Mangel an abendlicher Internet-Verbindung (sollte beizeiten mal prüfen, ob unsere Nachbarn W-Lan benutzen…), Film schauen alleine ist auch öde…

Im Endeffekt verbrachte ich meine nachmitternächtliche Zeit mit dem ziemlich fruchtlosen Versuch, meinen Laptop mit dem Fernseher zu verbinden, und damit, diese Zeilen zu schreiben.

Mal sehen, was ich noch tue. Vielleicht schlafe ich ja auch bald.