Dienstag, Oktober 04, 2005

Buchrezension: Philippe Djian – Schwarze Tage, Weiße Nächte


Um ein Buch von Philippe Djian zu besprechen, muss man erst einmal etwas über seinen Schreibstil erfahren. Djian wird nicht selten in einem Atemzug mit Bukowski genannt, und das aus gutem Grund: Beide zeichnen sich durch einen übermäßigen Gebrauch des Wortes „Ficken“ aus, beide malen ein recht düsteres Bild von der Welt, indem moralischer Verfall und Schmutz vorherrschen, und nicht zuletzt sind die Protagonisten von beiden größtenteils Arschgeigen.

Inhalt:

Schwarze Tage, Weiße Nächte handelt von einem midlifecriselndem Schriftsteller namens Francis, der nach einem Flugzeugunglück, in dem seine Frau und seine beiden Kinder starben, in eine Art Scheinwelt flüchtet, um über die Runden zu kommen. Er legt sich ein Bild von der Welt zurecht, in dem seine Frau noch lebt und ihm Ratschläge gibt, die die Welt von seiner, Francis’, „weiblicher“ Seite beleuchtet. Er frühstückt mit ihr, unterhält sich mit ihr, pflegt sie gesund, wenn sie krank ist, und legt sich mit ihr schlafen, und das, obwohl ihre Überreste in einem respektablen Umkreis verstreut sein sollten.

Da Francis den Zenit seiner schriftstellerischen Karriere schon lange überschritten hat und nun nur noch sehr mäßige Stückzahlen seiner Werke verkauft, verdingt er sich mit einem etwas dubiosem Handel mit homöopathischen Heilmitteln, wie beispielsweise Algentabletten an seine Freunde und Bekannten, während er weiter an seinem nächsten Roman bastelt.

Da er jedoch immer noch Geld für seine toten Kinder anspart, wundert es kaum, dass er bald in Geldsorgen gerät und ihm das Finanzamt auf die Pelle rückt. Edith, seine verstorbene Frau, welche ihr Geld einst mit Filmen verdiente, rät ihm, sich der Dienste Nicoles, der Frau von Francis Schriftstellerfreund Patrick, zu versichern, und mit ihr zusammen einen Porno zu drehen. Soll man ja nicht schlecht bei verdienen.

Das nun Folgende thematisiert nicht nur Francis Versuche, Nicole nackt vor die Linse zu bekommen, sondern auch zahlreiche sexuelle Eskapaden mit der besten Freundin seiner toten Frau, Olga mit Namen. Diese ist ebenfalls Schriftstellerin, hat sich aber der Pornographie verschrieben, was vielleicht auf ihre eigenen sexuellen Hemmungen zurückzuführen ist (absolute Ablehnung der männlichen Penetration). Was sie natürlich nicht daran hindert, mit Francis rumzumachen, bis die Glocken bimmeln.

Während unser Schriftstellerfreund und Hauptprotagonist hart daran arbeitet, Nicole von der Schlagkräftigkeit seiner Argumente zu überzeugen, erfreut sich Patrick größtem Erfolg. Das Manuskript, welches Francis auf Anhieb begeistert hatte, wird schon vor Veröffentlichung hoch gehandelt, und das Verlagshaus, welches die beiden eigentlich unter Hausvertrag hatte („Wir sind doch eine Familie, Francis!“), hat stark mit einem anderen großen Verlag zu konkurrieren, welcher ihnen ihren Lieblingsschriftsteller (Patrick) abspenstig machen will.

Um Patrick komplett zu überzeugen, lässt das „feindliche“ Verlagshaus (Namen hab ich vergessen) ihm über einen alten Freund von Francis die Nachricht zukommen, dass er die Möglichkeit bekommen könnte, Madonna, jaja, die Madonna zu treffen (langgehegter Kindheitstraum, blabla). Patrick geht also auf Reisen, und Francis wird ihm hinterhergeschickt, um ihm in Auftrag des alten Verlags doch noch zu bequatschen. Statt auf ihn einzureden, nutzen die beiden aber lieber das Spesengeld und kaufen sich davon drei japanische Nutten, mit denen sie sich seitenlang auf recht unappetitliche Weise vergnügen (Zitate erspare ich euch).

Später trifft Patrick tatsächlich seine Madonna, nach mehreren durchliebten Nächten geht Francis allerdings auf, dass dieser Mensch nicht die Madonna sein kann, weil die Madonna schließlich kein Muttermal auf dem Hintern hat. Ha!
Dass er dies Patrick brühwarm erzählt, lässt den großen Schriftsteller nicht gänzlich kalt, und aus Frust unterschreibt er den Vertrag beim „feindlichen“ Haus.

Francis ist am Boden zerstört, zerstreitet sich mit seinem Verleger, schafft es aber, Nicole endlich zumzukriegen und findet in ihr eine willige Partnerin für irgendeine japanische Bondage-Technik, die er anscheinend irgendwo einmal gelernt zu haben scheint (oder so). Das Buch geht nicht weiter darauf ein.

Die Fick-Freundschaft seiner Frau fällt Patrick auch bald auf, nachdem es seine Gemahlin nicht für nötig hält, ihre recht eindeutige Reizwäsche in Schränken zu horten und sie lieber im Zimmer verteilt. Nur dass es Francis war, darauf kommt er nicht, der Gute.

Als Francis Olga bei Gelegenheit von seinem kleinen moralischem Dilemma erzählt, macht sie die Vorstellung von japanischem Bondage-Sex so geil, dass sie sich ein paar Seiten später zu einem kapitellangen Fessel-Dreier einlässt. Na gut.

Während Francis Verlagshaus indessen dem Erfolg von Patricks neuem Buch mit illegalen Mitteln beikommen will (Sabotage der Auslieferung, sodass nur ein Bruchteil der Auflage verkauft wird), verfällt Francis endgültig in eine Paranoia, die ihn schon das ganze Buch mehr oder minder verfolgt: In seiner Vorstellung haben sich die Konzernführer der Global Player zusammengeschlossen, um ihre kapitalistischen Interessen zur Not mit solchen Mitteln wie Brust- und Prostatakrebs („Sie haben das erfunden! Sie sind Schuld an Krebs!“) oder der gentechnischen Veränderung von Mais durchzusetzen. Diese Tatsache und sein fortwährender Sexentzug deprimieren Francis durch und durch, und abgesehen von seiner Versöhnung mit Patrick versucht er verständlicherweise auch, wieder bei Nicole zu landen, die sich mit Olga zwar prächtig vergnügt (is ja eh nix mit Penetration, wa?), aber schon mal dann und wann an Francis rumspielen möchte, um Patrick zu verletzen.

Die Tatsache, dass Nicole offen verkündet, ihren Mann umbringen zu wollen, bewegt Francis dazu, bei der Familie einzuziehen, quasi als ruhender Pol.

Nach einem finalen, ellenlangen Rumgeficke zwischen Francis und Nicole kommt es im Schlafzimmer zu einem Handgemenge zwischen allen drei beteiligten, bei dem sich schließlich ein Schuss aus Nicoles Pistole löst und sie sich selbst erschießt.

Schade, ne?

Fazit:

Alles in allem kann man in die Videothek gehen, sich irgendeinen x-beliebigen Hardcoreporno ausleihen und hat damit nicht nur Geld gespart, sondern auch ungefähr den gleichen Effekt.

Im Großen und Ganzen besteht Schwarze Tage, Weiße Nächte nur aus Francis Fick-Eskapaden, welche nicht nur schlicht unappetitlich sind („Wir fickten sie mit Hilfe von reichlich Ahornsirup in die Ärsche. Sie waren entzückt.“ Sic!), sondern meist auch grotesk und einfach lachhaft: Ich möchte Philippe Djian einen Preis verleihen für das Vermächtnis, welches er uns hinterließ, indem er es schaffte, das Wort „Prengel“ in einen Satz einzubauen: „Wir entschieden uns für die Missionarsstellung. Ich rammte ihr meinen Prengel rein.“

Wenn man es schafft, von den Pornoszenen abzusehen, ist Francis eine interessant gezeichnete Figur, welche schon einen kleinen Sympathiebonus verdient. Doch alles in allem können weder Francis’ philosophische Gespräche mit Patrick noch seine amüsanten Depressionen und Paranoiaattacken die Geschichte herumreißen.

Ich bin jedenfalls froh, das Buch nur ausgeliehen zu haben.

3 Comments:

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7:42 nachm.  
Anonymous Charybdis said...

schade, jetzt hat der nette herr über mir gar nix von all dem fickkram mitgekriegt.

zu deiner rezension bleiben mir 4 dinge zu sagen:

1) inhalt? welcher inhalt? ich habe den überblick schon nach wenigen sätzen verloren, aber es geht ums ficken. glaube ich.

2) sehr unterhaltsam geschrieben, das ganze. krieg' ich das für's Szine? (maile mich!)

3) bukowski. hilfe. das ist ja noch schlimmer als miller. jedenfalls sind sätze wie "ich rammte ihr meinen prengel rein" pure poesie. wer da nicht instantorgasmiert...

4) hab ich vergessen. irgendwas mit ficken.

p.s.: hab ich jetzt auch gespammt, weil ich den beitrag fürs zine abwerben will? *schnief*

2:35 nachm.  
Anonymous Anonym said...

Ich bezweifle mal gerade das es eine eins zu eins Übersetzung zu "Prengel" aus dem Französischem gibt.. Evtl. ist hier der deutsche Verlag in die Verantwortung zu nehmen...

Klasse Rezension aber.

Wer übrigens wie ich findet das anspruchsvolle Literatur keine Gegensätze sein müssen der sollte mal Henry Miller mit Sextus lesen... :-)

leider anonym..

10:38 vorm.  

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