Freitag, Juli 15, 2005

Tschuldigung, Bier...

Es gibt Leute, die trinken gerne Bier.
Und es gibt Leute, die trinken nicht gerne Bier, sondern lieber warmen Wein. So wie Rikes Mutter.
Aber wenigsten hat sie Verständnis dafür, dass es Leute gibt, die sich das Gebräu gerne literweise in den Hals tun. Beispielsweise Guido, Lukas und ich.
Und weil sie es so gut mit uns meinte, stellte sie uns an Rikes achtzehnten Geburtstag ein 20-L-Fass hin. Das ist ja eigentlich eine prima Angelegenheit, weil viel Bier ist immer gut, allerdings schienen alle Leute, die sonst noch lauthals rausposaunt haben, wieviel Bier sie trinken wollen, beschlossen zu haben, dass sie doch lieber nur ihre Lippen mit der leckeren Flüssigkeit benetzen wollen und ließen ihre Gläser halbvoll stehen.
Wir drei taten natürlich unser möglichstes dafür, dass der kostbare Saft nicht übrig bleibt, aber auch unserer Nüchternheit sind Grenzen gesetzt. Sagen wir mal so: Als wir stockbesoffen ins Bett gefallen sind, war noch soviel über, dass wir locker am nächsten Morgen noch unseren Kater hätten betäuben können. Hamma aba net.

Als wir uns dann ans Aufräumen begaben, fragte Rikes Mutter, ob man das Fass denn nicht in den Keller tragen könne. Ich persönlich hätte sie ja machen lassen, aber Guido wandte ein, man solle das Bier lieber nicht mehr bewegen. Vernünftig, wenn ihr mich fragt, für mich war die Sache damit gegessen. Aber ich hatte nicht mit ihrem durchschlagenden Erfindergeist gerechnet: "Kann man das denn nicht in Flaschen füllen?" fragte sie fröhlich und wedelte mit einer 1,5-L-Gerolsteiner-Flasche.
Ich kapitulierte. "Schmeckt zwar wahrscheinlich komisch", kommentierte ich und kämpfte den Würgereiz runter. "Aber geh'n tut's."
Sie nahm dann am Ende wenigstens Glasflaschen, aber man hätte sie trotzdem in Gewahrsam nehmen sollen, fand ich. Ich besiegte das moralische Dilemma, ob ich was dagegen einwenden soll oder nicht damit, dass ich einfach ging.

Damit wäre das Thema abgehakt, dachte ich. Pustekuchen.

Gestern war ich nochmal bei der trauten Familie zum Grillen eingeladen. Grillen find ich gut, denn durch Grillen entsteht Essen. Leider machte ich den Fehler, mich nach Bier zu erkundigen, doch Rike teilte mir mit, Bier sei alle. Machse nix. Noch nichmal up.
Ich kaute also gerade lustvoll auf meiner Wurst (nicht die Wurst...), als ich Flaschenklimpern hörte.
Die Frau Mama hatte tatsächlich eine Flasche noch nicht ausgeschüttet. Sie stellte die Gerolsteinerflasche mit dem schalen Bier auf den Tisch und meinte quietschvergnügt: "Ich glaub, das ist unten ein wenig gefroren, aber schmeckt bestimmt noch!"

Ich biss erneut in mein Essen und fragte mich, ob ich laut losprusten soll, weil das ja vielleicht ein geschmackloser Scherz ist, ob ich stattdessen lieber über den Gartentisch kotzen sollte, oder vielleicht doch durchdrehe und mit Ketschup um mich spritze. Ich beschloss, einfach weiterzuessen und die Flasche zu ignorieren.

Aber innerlich, sag ich euch, innerlich habe ich wegen dieser Biervergewaltigung bittere Tränen vergossen.

Traurig.
_Brause

2 Comments:

Anonymous Die Büth said...

*Taschentuchreich*
R.I.P.
Das des so ein Ende finden musste, das hat glaube ich auch das Bier nicht gewollt...
Ach, wenn es doch bloß noch unter uns weilen würde, frisch, sprudelnd und herrlich perlend im Abgang...
Aber dann so was, damit konnte es einfach nicht rechnen...

12:15 nachm.  
Blogger Ahoj ohne Brause said...

Es ist eine Schande, sag ich dir, eine Schande! Die Geschwister des Biers wurden sogar einfach im Garten ausgekippt. Nein...so hätte es einfach nicht enden dürfen.

1:25 nachm.  

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